Sand(ersdorf) im Getriebe

Es war ein Spiel zum Haareraufen: Der VFC zeigt in Halbzeit 1 eine astreine Leistung – und legt eine zweite Hälfte hinterher, die einigermaßen unerkärlich bleibt.

Aus dem Vogtlandstadion berichtet Scott Heinrichs

Kaum zu fassen: Der VFC gab einen 3-Tore-Vorsprung her.

Der VFC ging in den 7. Spieltag der NOFV-Oberliga Süd mit einem guten Bauchgefühl: Zwei Siege in Folge gab es unter Neu-Coach Sven Köhler in dieser Saison noch nicht. Sandersdorf hingegen verlor das letzte Ligaspiel gegen den VfL Halle 96 mit 1:4, schoss sich aber in der Pokalpause mit demselben Resultat beim Testspiel in Markranstädt wieder in Form. Einen nordamerikanischen Tausch gab es beim VFC: Durch seine starke Schlussphase gegen Bautzen spielte sich US-Offensivakteur Benjamin St. Louis in die Startelf, der Kanadier Hugh Graham musste dafür draußen bleiben.

Hatte anfangs viel zu tun: VFC-Defensivakteur Eric Ganime.

Aller Anfang ist schwer

Sandersdorf agierte in Halbzeit 1 vor allem mit langen Bällen und Konter. Ein solcher gelang früh zum torgefährlichen Marius Ihbe, dessen Abschluss in Minute 2 das Startsignal für eine guten Beginn der Gäste gab. Der VFC hatte in der Anfangsphase zwar viel Ballbesitz, aber wenig Zug zum Tor. Sandersdorf hingegen blieb gefährlich: Der Abschluss von Union-Stürmer Samyr Farkas landete aber am Außennetz.

Plauen gelang es aber in Folge immer mehr, die Abwehrreihe der Gäste in Bedrängnis zu bringen. Mit schnellem Erfolg: Ein Abschluss von Johann Martynets aus vollem Lauf schlug in der 22. Minute im linken Eck ein – ein schöner Abschluss und die Führung, die zu diesem Zeitpunkt etwas aus dem Nichts kam

Die Tore von Johann Martynets und Benjamin St. Louis wurden vorne...
...und hinten gefeiert.

Plauener Weltneuheit: Der VFC-Zug im 2-Minuten-Takt!

Der VFC-Offensivzug fuhr daraufhin im 2-Minuten-Takt: Wieder war es Martynets, der für St. Louis auflegte – das schnelle 2:0 für den VFC. Eine Führung, die sich die Mannschaft in Gelb-Schwarz im Anschluss immer mehr verdiente. Einen Distanzschuss von Ganime parierte Sandersdorf-Hüter Räthel stark (26.), wieder zwei Minuten später war er machtlos: Ein herrlich strammer Distanzschuss von St. Louis flog über den Keeper hinweg, landete an der Unterkante der Latte und tippte knapp vor der Torlinie auf. Den Torschrei hatte das Publikum auch in der 30. Minute auf den Lippen: Lenny Plank setzte sich auf der linken Außenbahn mustergültig durch und legte auf den mitgelaufenen Paul Kämpfer ab. Der VFC-Stürmer gelang aber in Rücklage, sodass sein Abschluss über dem Tor landete.

Und wieder zwei Minuten später: Hussain kombinierte sich mit Martynets und St. Louis durch das Mittelfeld, sein Torschuss aber blieb zu unpräzise. Wie man es besser macht, zeigte Johann Martynets, klar, zwei Minuten später: Wieder zog der Angreifer ab, wieder landete die Kugel im linken unteren Eck. Für Martynets war es das vierte Tor in den letzten beiden Partien. Der VFC führte zur Halbzeit gegen eine überforderte Sandersdorfer Hintermannschaft völlig verdient mit 3:0.

Johann Martynets spielte die Sandersdorfer Abwehr schwindelig. Er war an allen drei Toren beteiligt.

Einladungen für Sandersdorf

So unfassbar schön die erste Halbzeit für den VFC-Anhang war, so bitter verlief die zweite Hälfte. Dabei begann sie erst einmal vielversprechend. Ein Kopfball von Martynets nach Beal-Freistoß verfehlte den Kasten nur knapp (49.). Sandersdorf stellte die langen Bälle in dieser Phase ein, wählte immer mehr den direkten Flachpass durch das Mittelfeld, ohne aber wirklich gefährlich zu werden. Die Einladung zum Toreschießen versendete der VFC dann höchstpersönlich. Einen simpel gespielten Angriff der Sandersdorfer verteidigte die VFC-Elf nicht konsequent, Wonneberger bedankte sich freistehend mit dem Anschlusstreffer (63.) – der Auftakt zu einer bemerkenswerten Aufholjagd der Sachsen-Anhaltiner.

Die VFC-Elf schaute den Sandersdorfern in Halbzeit 2 zu oft beim Spielen zu.

Eisern Union

Denn die hatten jetzt Blut geleckt: Einen hohen Ball erwischte Hamella knapp vor Schulze, der Kopfball ging aber über das Tor (64.). Joker Wonneberger, absoluter Aktivposten auf Seiten der Gäste, leitete die nächste gute Chance ein. Seinen unbedrängten Abschluss aus zweiter Reihe in der 66. Minute konnte Simon Schulze noch zur Ecke abwehren. Die führte dann aber zum Gegentreffer: Brunner zirkelte die Ecke in den Fünf-Meter-Raum, dort wurde es unübersichtlich und der Ball rutschte einfach durch – das 3:2.

Beim VFC begann merklich das Zittern, wobei es durch Graham, Krantz und Martynets in Minute 76 die Chance zur Vorentscheidung gab. Die Aktion im 16er spielte die VFC-Offensive aber unsauber aus, sodass Union-Keeper Räthel nicht eingreifen musste. Wie es anders laufen kann, bewies kurz darauf Marius Ihbe für die Gäste: Sein eigentlich aussichtsloser Abschluss wurde abgefälscht, die Bogenlampe konnte VFC-Torwart Schulze nicht mehr entschärfen. Der VFC hat einen 3-Tore-Vorsprung tatsächlich aus der Hand gegeben.

Mit diesem Solo hatte Hugh Graham noch einmal die Chance auf das 4:3.

In der Folge versuchte die Köhler-Elf, den Sieg doch noch irgendwie zu retten. Die größte Gelegenheit dazu hatte der eingewechselte Graham, dessen Solo aber an Keeper Räthel sein Ende fand (81.). Der Kanadier hatte dann auch die letzte Aktion der Partie, sein Abschluss in der Nachspielzeit ging aber deutlich über das Tor. Es bleibt dabei: Plauen gegen Sandersdorf ist eine Partie, die Tore garantiert (3,4 im Schnitt). Aus VFC-Sicht hätte man in der zweiten Halbzeit darauf verzichten können. 

Stimmen zum Spiel

VFC-Trainer Sven Köhler: „Es fühlt sich schlecht an. Am Ende hat eine sehr gute erste Halbzeit mit einer 3:0-Führung nicht gereicht, deshalb ist es sehr enttäuschend. Wir werden es analysieren, wir werden auch wieder aufstehen. Aber für den Moment tut es natürlich sehr weh.“

Frustriert: VFC-Coach Sven Köhler (links) und Co-Trainer Chris Schiller (rechts).

Wichtig ist, was man draus macht: Am nächsten Sonntag trifft der VFC in Meuselwitz auf einen Aufstiegsaspiranten. Da darf die Köhler-Elf dann erstmals in dieser Saison zeigen, was sie aus einer Außenseiterrolle macht – und ob die der jungen Elf vielleicht sogar besser steht. 

Daten zum Spiel

VFC: Schulze – Plank, Träger, Kunstmann, Limmer, Ganime, Beal, Hussain (67. Philipp), Martynets, Kämpfer (67. Graham), St. Louis (72. Krantz)
Tore: 1:0 Martynets (22.), 2:0 St. Louis (24.), 3:0 Martynets (34.), 3:1 Wonneberger (63.), 3:2 Brunner (67.), 3:3 Ihbe (84.)
SR: Reinhard Meusel (Föritztal)
Zuschauer: 382