Wie unterschiedlich ein Punktgewinn doch sein kann: Was sich gegen Sandersdorf vor einer Woche wie eine Niederlage angefühlt hat, war am Sonntag in Meuselwitz fast ein emotionaler Sieg. Das Unentschieden war Resultat einer spielerisch, aber auch kämpferisch guten zweiten Halbzeit.
Aus Meuselwitz berichtet Scott Heinrichs
Für den VFC war die Partie in Meuselwitz eine neue Situation: Bisher ging die Köhler-Elf in dieser Saison zumindest mitfavorisiert in die Partie, beim bisher ungeschlagenen ZFC startete man als leichter Außenseiter ins Spiel. St. Louis rutschte verletzungsbedingt aus der Startelf, für ihn begann Hugh Graham auf dem rechten Flügel.
Innenpfosten-Festival in Halbzeit 1
Erwartungsgemäß hatte Meuselwitz mehr Ballbesitz, ohne aber wirklich ins letzte Drittel zu kommen. Nur einmal wurde es brenzlig: Eine Eingabe von links ließ Routinier Hansch über den Außenspann gleiten, Schulze wäre machtlos gewesen – stattdessen rutschte der Ball rechts am Tor vorbei (11.). Wirklich zwingend wurden die Gastgeber aber nicht: Ex-Plauener Tim Kießling versuchte sich einige Male aus Distanz (9., 13.).
Und so gewann der VFC mit schnellen Gegenstößen immer mehr an Sicherheit. Wirklich gefährlich wurde es dann aber erst nach einer Einladung von ZFC-Keeper Sedlak: Der spielte im eigenen Fünf-Meter-Raum einen kapitalen Fehlpass in die Füße von Kämpfer, die Eingabe aus spitzem Winkel konnte Meuselwitz noch zur Ecke verteidigen. (21.). Eine Minute später wackelte Sedlak erneut, den Abschluss von Graham aus knapp 18 Metern lenkte er knapp erneut zum Eckstoß ab. Der führte dann zum Treffer: Den Ball auf den langen Pfosten köpfte Träger in Richtung Tor, der Ball wurde lang und länger und tropfte im Innenpfosten über die Linie – das 0:1 (23.).
Mit dem Führungstreffer war die Plauener Offensivphase aber abgegolten. Meuselwitz übernahm wieder die Spielkontrolle und kam nicht unverdient zum Ausgleich. Zum erneuten Male kam nach einem Standard der Ball in den Rückraum, den Innenverteidiger Ben Nitschke sehenswert per Volley nahm und ebenfalls über die Zwischenstation Innenpfosten zum Torerfolg kam.
Meuselwitz blieb danach die Mannschaft mit mehr Spielanteilen, ein abgefälschter Abschluss von Kießling ging knapp neben den Kasten (33.). Der VFC blieb per Konter gefährlich, Graham ließ sich kurz vor der Pause aber zu weit nach links abdrängen, sein Abschluss war kein Problem für Sedlak.
Erst verschlafen, dann hellwach
Die zweite Halbzeit begann denkbar schlecht für den VFC: Einen langen Ball verteidigte Ganime unzureichend, Hansch und Stiller legten für den gerade eingewechselten Born auf, der nur noch ins leere Tor einschieben musste.
Das schnelle Gegentor veränderte das Spiel aber nicht zu Gunsten der Gastgeber, stattdessen übernahmen die Plauener das Zepter, Meuselwitz zog sich zurück und beschränkte sich auf Konter. Die große Chance zum Ausgleich ließ Martynets liegen: Beim Querpass von Kämpfer stand der Stürmer ein paar Schritte zu weit vorne, sodass der Ball von seiner Hacke weg- und aus dem Tor sprang (57.).
Durchatmen musste die Köhler-Elf in der 68. Minute: Nach einem Missverständnis von Schulze und Träger stand Hansch freistehend vor dem VFC-Tor. Der Abschluss des Meuselwitzers ließ auch das Tornetz zappeln, allerdings nur von außen. Den VFC warf das nicht aus der Bahn: Nur eine Minute später legte Plank auf Hussain, sein Abschluss aus gut 11 Metern rutschte ihm aber über den Fuß.
Martynets erlöst
Der VFC blieb drückend und kam immer wieder ins letzte Drittel – verpasste es aber ähnlich wie Meuselwitz in der ersten Hälfte, klare Torchancen zu erspielen. Erst kurz vor Schluss wurde es torgefährlich. Ein Fehlpass im eigenen Strafraum landete bei Beal, dessen Abschluss aber knapp neben dem Kasten landete (84.). Eine clevere Aktion von Lemba brachte den verdienten Ausgleich: Er ließ den Verteidiger zum Kopfball hochsteigen, blieb aber selbst am Boden und nahm den Klärungsversuch auf. Den zu Martynets weitergeleiteten Ball schlenzte der Stürmer sehenswert ins rechte untere Eck – der verdiente Ausgleich. Meuselwitz lief nochmal an, mehr als ein Abschluss von Smyla über das Tor sprang aber nicht heraus (90.+4). Der VFC nimmt einen verdienten Punkt beim neuen Tabellenführer mit ins Vogtlandstadion.
Stimmen zum Spiel
VFC-Trainer Sven Köhler: „Es war ein sehr, sehr intensives und für meine Begriffe auch gutes Oberligaspiel, in dem Meuselwitz gerade in der ersten Halbzeit gezeigt hat, warum sie um die Tabellenführung mitspielen. Wir haben es aber nach 15, 20 Minuten geschafft, besser dagegenzuhalten. Gefühlte 30 Sekunden nach der Pause das 1:2 hinnehmen zu müssen, ist extrem bitter. Ich kann meiner Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen, mit wieviel Leidenschaft, Mut und Überzeugung die Jungs versucht haben, das 2:2 noch zu erzielen.“
ZFC-Coach Georg-Martin Leopold: „Das Ergebnis ist leistungsgerecht, beide Mannschaften hatte ihre guten Phasen. […] Wir haben heute gegen einen wirklich guten Gegner gepunktet, der in der Tabelle auch noch ein paar Plätze klettern wird. Wir werden die Fehler von heute im Training analysieren und ansprechen.“
Daten zum Spiel
VFC: Schulze – Plank, Träger, Kunstmann (46. Lemba), Limmer, Ganime, Beal, Hussain (82. Krantz), Martynets, Kämpfer, Graham (71. Philipp)
Tore: 0:1 Träger (23.), 1:1 Nitschke (31.), 2:1 Born (46.), 2:2 Martynets (87.)
SR: Luis Paul (Magdeburg)
Zuschauer: 533