Der Oberliga-Neuling SSC Weißenfels war der erwartet schwere Gegner. Am Ende sorgten Paul Kämpfer und Johann Martynets mit ihren späten Treffern für drei Punkte, die sich nach vier sieglosen Ligaspielen in Folge wie eine kleine Erlösung anfühlten.
Aus Weißenfels berichtet Scott Heinrichs
Seit 1968 hatte es zwischen Weißenfels und Plauen kein Spiel mehr gegeben. Es war also das erste Aufeinandertreffen der beiden Vereine seit fast 60 Jahren, in dem der VFC die nahezu identische Elf zur Vorwoche auf den Platz schickte. Lediglich der wieder vollständig fitte Hussain ersetzte Lemba im Mittelfeld. 224 Zuschauern sahen eine muntere, teils wilde Partie, die mit zwei gut aufgelegten Kurven durchaus Werbung für die Oberliga war.
VFC-Chancenwucher in Hälfte 1
Der Aufsteiger aus dem Burgenlandkreis begann mutig und konnte gleich zu Beginn kleine Nadelstiche setzen. Einen Freistoß in der 10. Minute setzte Rosner neben den Pfosten. Eine Zeigerumdrehung später hatte Hugh Graham für den VFC die große Gelegenheit – nach schönem Doppelpass mit Martynets parierte SSC-Keeper Lohmann aber stark. Noch besser reagierte der Schlussmann in Spielminute 18. Den Fernschuss von Beal wehrte der Keeper gut ab, zwei Nachschüsse von Hussain aus kürzester Distanz stoppte Lohmann ebenfalls glänzend.
Der VFC blieb in Hälfte eins die spielbestimmende Mannschaft und ließ durch Martynets in der 27. Minute eine weitere gute Möglichkeit aus. Die Flanke von Limmer rutschte dem Angreifer unter dem Fuß durch. Das bevorzugte Weißenfelser Stilmittel in Halbzeit 1, der lange Ball, sorgte trotzdem immer wieder für Entlastung bei den Hausherren. Ein solcher landete beim auffälligen Rosner, dessen Abschluss aber knapp am rechten Pfosten vorbeiflog. Mit einem 0:0 ging es in die Kabinen.
Wilder Wiederbeginn
Mit Wiederanpfiff entwickelte sich ein wildes Spiel, in dem beide Teams hochkarätige Chancen ausließen. SSC-Kapitän Purrucker scheiterte erst am glänzend aufgelegten Schulze (54.), dann am langen Bein von Träger (55.). Den direkten Konter spielte Graham mustergültig in den Rückraum zu Hussain, auch sein Abschluss wurde geblockt. Die große Chance zur Führung für die Gastgeber ließ Ruprecht liegen (71.), der nach abgewehrtem Schuss von Sousa Balde freistehend mit dem Kopf nicht genug Druck auf den Ball bekam.
Der Auftritt von Paul Kämpfer
Als Hauptdarsteller des Spiels entpuppte sich danach VFC-Stürmer Paul Kämpfer mit zwei fast identischen Situationen. In Minute 73 umkurvte er zunächst SSC-Keeper Lohmann, bekam aber die Füße nicht sortiert und den Ball vom Spann gespitzelt – die Riesenchance zur Führung. Drei Minuten später machte er es besser: Wieder umkurvte Kämpfer den Tormann, diesmal blieb er eiskalt und schob den Ball zur verdienten 0:1-Führung ein (76.).
Martynets entscheidet die Partie
Weißenfels warf naturgemäß alles nach vorne und hatte direkt nach dem Gegentreffer durch einen Distanzschuss von Sousa Balde noch eine gute Gelegenheit. Im Gegenzug boten sich Räume für den VFC, die St. Louis (86.) und der auffällige Joker Krantz (Abseits, 87.) nicht zur Vorentscheidung nutzen konnten. In der 88. Minute erlöste Martynets die gut 75 VFC-Anhänger mit dem 0:2. Sein Abschluss durch die Beine von Keeper Lohmann wurde zwar noch etwas entschärft, trudelte aber letztlich unter großem Jubel zum Endstand über die Linie.
Die Stimmen zum Spiel
VFC-Coach Sven Köhler: „Heute habe ich ein Spiel gesehen, wo wir als Mannschaft von Anfang an sehr aktiv, präsent und mutig waren – und das gegen einen Gegner, der bisher für meine Begriffe eine sehr gute Runde gespielt hat. Ich glaube, dass in der ersten Halbzeit das Chancenplus auf unserer Seite lag. In der zweiten Halbzeit gab es dann mal gefühlt fünf bis acht Minuten, die ganz wild waren. Da hätte jeder Angriff irgendwie zum Tor führen können. Für mich war es ein gutes, intensives Spiel, das wir nicht unverdient gewonnen haben.“
SSC-Coach Marc Barthmuß: „Es war ein Spiel, das in beide Richtungen gehen kann. Die Mannschaft, die das erste Tor macht, zieht es dann einfach auf seine Seite. Plauen hat ähnlich wie wir schnelle Umschalt- und Zielspieler, die immer wieder eine Aktion kreiiren können. Am Ende ist es eine unnötige Niederlage.“
VFC-Verteidiger Lenny Plank: „Wir haben die Unterstützung der Fans heute gebraucht, das Vertrauen zurückgezahlt und verdient gewonnen. Wir haben als Team zusammen gekämpft. Genau da wollen wir nächste Woche gegen Bautzen weitermachen.“
Für den VFC geht am nächsten Samstag im Sachsenpokal um den Achtelfinal-Einzug gegen Ligakonkurrent FSV Budissa Bautzen. Anstoß im Vogtlandstadion ist um 14 Uhr.