Spitzenleistung gegen Spitzenteam

Fünf ist die Zahl der Stunde in Plauen: Fünf Spiele ist der VFC nun am Stück ungeschlagen, fünfmal in Folge hat der VFC gegen den VfB Germania aus Halberstadt gewonnen. Und auch Johann Martynets hat sein Ligatore-Konto im Monat Oktober auf fünf geschraubt. Der Sieg der Köhler-Elf war letztlich hochverdient.

Aus dem Vogtlandstadion berichtet Scott Heinrichs

Durfte sich als Matchwinner feiern lassen: Doppelpacker Johann Martynets.

Halberstadt-Coach Manuel Rost hatte das Spiel in Plauen zur „Reifeprüfung“ ausgerufen. In der Vorwoche hatte die Germania bei Halle 96 erstmals ein Ligaspiel verloren. Der VFC kam mit dem Rückenwind einer starken zweiten Halbzeit in Meuselwitz ins Vogtlandstadion und durfte seinerseits auch beweisen, ob man Schritte nach vorn gemacht hatte und ein Topteam der Liga bezwingen kann.

Wettertechnisch waren die Verhältnisse arktisch: Mit 7 Grad, dauerhaftem Nieselregen und ordentlichem Windzug zeigte sich der Oktober nicht von seiner freundlichsten Seite. Vielleicht war das auch ein Grund, warum sich der Publikumsatmosphäre eher polnisch darstellte: Zwei motivierte Fanszenen und viel Luft auf den restlichen Rängen. Der VFC zeigte aber schnell, warum er zurzeit mehr als 360 Zuschauer verdient hat.

Munteres Hin und Her

Gleich in der vierten Minute demonstrierten die Plauener, wie breit die Brust aus Meuselwitz war. Die Torschützen der Vorwoche versuchten sich als Koproduzenten: Eric Träger schlug einen langen Ball auf Johann Martynets, dessen Abschluss aus spitzem Winkel von Germania-Schlussmann Cichos aber noch entschärft werden konnte. Beim Nachschuss von Kapitän Matheus Beal halfen dann seine Vorderleute und entschärften noch entscheidend.

Im Tanz um den Ball: Der wieder einmal starke Lenny Plank.

Die nächsten Minuten gehörten zumindest in puncto Offensivaktionen den Gästen. Kleinschmidt (9.) und Boateng (10.) prüften jeweils mit links VFC-Schlussmann Simon Schulze, ohne aber große Torgefahr heraufzubeschwören. Ähnliches galt für den Abschluss von Beal in der 13. Minute, der zur Ecke abgefälscht wurde. Erneut Kleinschmidt (15.) setzte einen Kopfball rechts neben den VFC-Kasten, bevor Boateng in Minute 25 aus Abseitsposition zur Flanke kam – seine Eingabe segelte aber im Fünfmeterraum an Freund und Feind vorbei.

Klar, wieder Martynets

Während Halberstadt die zwingenden Chancen also nicht erspielte und sich etwas zurückzog, entfachte der VFC in eine kleine Offensivwelle. Einen schönen Sololauf über die rechte Außenbahn von Hussain konnten die Gäste vor dem einschussbereiten Martynets klären (30.), eine Minute später versprang Kämpfer die Eingabe des Dauerbrenners Lenny Plank. Gleich in der nächsten Aktion hatte Kämpfer aber seinen Abschluss: Sein Gewaltschuss landete aber nur am Außennetz.

Versuchte es in dieser Situation mit Wucht: VFC-Angreifer Paul Kämpfer.

Der VFC wurde nun immer drückender, Halberstadt konnte nun gar nicht mehr für Entlastung sorgen. Bei einer Ecke von Hussain wischte Ganime noch aus kurzer Distanz am Ball vorbei (35.), eine Minute später führte der VFC dann aber hochverdient: Einen scheinbar nicht mehr zu erreichenden Ball erlief Kämpfer auf der rechten Seite. Seine Flanke ließ Halberstadt-Keeper Cichos direkt vor die Füße von Martynets tropfen, der das Geschenk dankend annahm und zum 1:0 einschob.

Im Fokus: Torschütze Johann Martynets...
...und Assistgeber Paul Kämpfer.

Kurz darauf hätte der VFC nachlegen können, Hugh Graham ließ
sich aber kurz vor dem Abschluss noch von einem Halberstädter abdrängen. Die
restlichen Minuten bis zur Halbzeit gehörten der Germania, ohne aber zu Chancen
zu kommen. 

Blitzstart VFC

Der Plauener Shanty-Chor hatte gerade das Spielfeld erst
geräumt, da legte Johann Martynets direkt furios los: Nach einem schönen
Steckpass von Eric Ganime konnte er im Strafraum nur noch durch ein Foul
gestoppt werden. Den fälligen Strafstoß schnappte sich Martynets selbst und
verwandelte eiskalt. Für den Plauener Jungen war es nun schon Saisontor Nummer
7.

Pepe Philipp machte von der Bank eine gute Figur.

Das schnelle 2:0 schockte die Gäste merklich. Der VFC blieb weiter am Drücker und hatte mehrere gute Möglichkeiten, das Spiel endgültig zu killen. Eine der größten Gelegenheiten hatte Kämpfer, der sich in der 62. Minute stark gegen seinen Gegenspieler durchsetzte, vor dem Keeper im 1-gegen-1 die finale Präzision aber vermissen ließ. Sein Abschluss flog knapp am rechten Pfosten vorbei. Danach blieb der VFC vor allem nach Ecken gefährlich. Nach einer Eckenvariante von Beal hatte Martynets viel Zeit und Raum für einen Abschluss aus zweiter Reihe – der verfehlte den Kasten der Gäste nur knapp (70.). Die nächste Ecke übernahm der starke Hussain, der Kopfball am kurzen Pfosten von Joker Pepe Philipp landete aber ebenfalls neben dem Tor (73.). Noch besser war die Gelegenheit für Philipp in Minute 77: Eine schöne Vorarbeit von St. Louis rutschte ihm im Sechnzehner über den Spann.

Hielt seinen Kasten sauber: Simon Schulze.
Valentin Sponer feierte nach längerer Verletzungspause sein Comeback.

Last-Minute-Chancen auf beiden Seiten

Halberstadt versuchte in den letzten Minuten noch einmal, die Partie spannend zu machen und kam zu ihren besten Gelegenheiten: Freistehend setzte Kleinschmidt einen Kopfball links neben das Tor (88.), sein Abschluss aus dem Rückraum kurz darauf landete über dem Gehäuse (89.).

Und so hatte der VFC noch einmal dicke Möglichkeiten auf den dritten Treffer: Nach schönem Dribbling von Philipp bekam der eingewechselte Lemba aus aussichtsreicher Position nicht genug Druck hinter den Ball (90.). Kurz darauf überließ St. Louis nach schönem Sololauf uneigennützig für Martynets – der ließ die dicke Chance auf den Hattrick aber aus und schoss aus kurzer Distanz neben das Tor. Es war die letzte Aktion in einem Spiel, das mit einem verdienten Heimsieg für den VFC endete.

Für den VFC folgt nun ein Auswärtsmarathon: Nach Ligaauftritten in Halle und Frankfurt/Oder winkt das Sachsenpokal-Derby beim Reichenbacher FC. Den nächsten Heimauftritt gibt es am 21.11. gegen den FSV Budissa Bautzen zu bestaunen.

Beste Laune nach dem Spiel bei der Mannschaft.

Stimmen zum Spiel

VFC-Coach Sven Köhler: „Die Mannschaft hat für meine Begriffe über die gesamte Spielzeit eine ordentliche Leistung gebracht. Wir haben relativ wenig zugelassen. Ich freue mich, dass wir gegen schwierige Gegner wie Meuselwitz und Halberstadt gepunktet und heute sogar zu Null gewonnen haben.“

Konnte sehr zufrieden sein: VFC-Trainer Sven Köhler.

Germania-Trainer Manuel Rost: „Glückwunsch an den VFC zum Sieg. Wir haben ein umkämpftes Spiel gesehen auf einem schweren Geläuf. Wir hatten heute im letzten Drittel nicht das nötige Durchsetzungsvermögen. Mit dem frühen 2:0 nach Wiederbeginn wurde es schwieriger, wir mussten mehr investieren und haben den Gegner zur ein oder anderen Konterchance eingeladen. Die Jungs auf dem Platz haben trotzdem alles versucht. Das nehmen wir mit.“

Doppeltorschütze Johann Martynets: „Uns war klar, dass Halberstadt eine gute Mannschaft ist und auch in den ersten Spielen gut gepunktet hat. Wir wussten aber auch, dass Halberstadt uns seit Jahren liegt und wir in den letzten Jahren immer gewonnen haben. Es war ein hochverdienter 2:0-Sieg, das ein oder andere Tor hätten wir aber noch machen können.“

Daten zum Spiel

VFC: Schulze – Plank (84. Glaser), Träger, Kunstmann, Limmer, Ganime, Beal (74. Lemba), Hussain (84. Sponer), Martynets, Kämpfer (65. Philipp), Graham (74. St. Louis)
Tore:
1:0 Martynets (36.), 2:0 Martynets (48.)
SR:
Paul Bräuer (Nordhausen)
Zuschauer:
360