Die Jungs vom letzten Drücker

Es ist wie damals in der Schule: Die besten Resultate in der Klassenarbeit gab es, wenn man mit dem Lernen erst kurz vorher angefangen hatte. Die Musterschüler vom VFC hatten allerdings in der ersten Halbzeit schon ausreichend Stoff für ein Bestehen der Prüfung, mussten ihre Lektion aber auf die harte Tour lernen. Wie schon in der Vorwoche reichten zwei späte Treffer für den Sieg. 

Aus dem Vogtlandstadion berichtet Scott Heinrichs

Vor der Badkurve wird gefeiert! Große Freude nach dem Einzug ins Achtelfinale des Sachsenpokals.

Der VFC ging in das Pokalspiel mit der identischen Startelf wie beim späten Auswärtserfolg in Weißenfels. Bis auf die Farbe der Trikots änderte sich bei der Heimelf nichts – das spiegelte sich auch auf dem Feld wieder. Gegen den Ligakonkurrenten aus Bautzen nahm die Köhler-Elf den Schwung aus der Vorwoche mit und hatte in den ersten 45 Minuten teils hochkarätige Chancen zu verbuchen.

Lenny Plank war immer wieder an Offensivaktionen beteiligt.

Chance um Chance

Schon in Minute 2 hatte Eric Ganime eine gute Kopfballgelegenheit, die das Bautzener Tor knapp verfehlte. Kurz darauf rollte der VFC-Offensivzug weiter: Nach einer Balleroberung von Lenny Plank steckte der Linksverteidiger in der 7. Minute auf Johann Martynets durch, dessen Abschluss mit links aber vom Budissa-Schlussmann Kiefer entschärft wurde.

Besagter Martynets war es auch, der zwei Minuten später einen Zuckerpass vom starken Beal nicht zu einem Abschluss verwerten konnte. Auch der Brasilianer hatte eine Minute später mit einem Schuss aus dem Rückraum die Gelegenheit zur Führung. Die dickste Chance vergab aber in der 11. Minute VFC-Stürmer Paul Kämpfer. Nach einer tollen Verlängerung von Plank war Kämpfer alleine vor Keeper Kiefer durch, sein Abschluss ging aber auch wegen eines Platzfehlers deutlich über den Kasten.

Kopf hoch! Hugh Graham muntert Paul Kämpfer nach dessen vergebener Chance auf.

Auch danach blieb Plauen drückend. Hussain mit einem Distanzversuch (14.) und Träger mit einem Kopfball aufs Tordach (19.) ließen aus. Bautzen meldete sich in der Partie mit einem Doppelabschluss an (Gerhardt und Hoferichter, 22.), beide Versuche wehrte Schulze mit den Fäusten ab. Im Anschluss übernahm der VFC das Zepter wieder. Nach einem schönen Doppelpass mit Graham verfehlte Kämpfer den Kasten aber deutlich (27.). Danach wurde es ein Spiel der Halbchancen. Die Heimelf fand immer wieder über rechts den Weg in den Rücken der Budissa-Abwehr, der letzte Pass wollte aber nicht gelingen. Sehenswert war dann noch die letzte Chance vor der Pause: Planks Flugkopfball auf Höhe der Grasnarbe (39.), konnte Bautzen-Keeper Kiefer gerade noch so entschärfen. Dass der VFC nach zahlreichen guten Chancen mit 0:0 in die Kabine ging, ließ das Plauener Publikum fast schon verzweifeln.

Bautzen stellt Spielverlauf auf den Kopf

Nach der Chancenflut der ersten Halbzeit folgte eine Ebbe an Torgelegenheiten. Lediglich Beals Abschluss (54.) über das Tor war nennenswert. Und so kam es, wie es kommen musste. In Minute 61 flog ein hoher Ball in den Strafraum, den der Bautzener Zielspieler Dzenan Hot unangenehm verlängerte. Schulze reckte sich vergebens, die Gäste aus der Oberlausitz führten urplötzlich mit 0:1. Der Gegentreffer warf die Plauener Mannschaft sichtbar aus der Bahn – man blieb bemüht, aber wenig zielstrebig. Das Spiel veränderte sich erst mit der Hereinnahme der beiden Joker Leonard Krantz und Benjamin St. Louis zu Gunsten des VFC. Vor allem der US-Amerikaner fiel immer wieder auf und eröffnete den Sturmlauf in der Schlussviertelstunde mit seinem Abschluss in der 75. Minute. Sein Schuss fand aber nur das Außennetz.

Brachten merkbar Schwung in die Partie: Eigengewächs Leonard Krantz...
...und Benjamin St. Louis, hier bei seinem Abschluss in Minute 75.

Und so war es St. Louis, der nach einer abgefälschten Flanke von Kämpfer zusammen mit Johann Martynets den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte – der hochverdiente Ausgleich (79.).

Dass die Mannschaft keine Lust auf Verlängerung hatte, machte sie schnell deutlich. Martynets platzierte seinen Freistoß in der 82. Minute nur ein paar Zentimeter neben den linken Pfosten. Zwei Minuten später gaben wieder eine Handvoll Zentimeter den Ausschlag: Martynets erlief sich einen Ball in die Tiefe, legte quer auf Krantz, der ins verwaiste Tor einschob – allerdings startete Plauens Nummer 9 wohl knapp aus dem Abseits. Etwas deutlicher war die Abseitsstellung beim Abschluss des Bautzeners Maximilian Noack – sein Tor zählte ebenfalls nicht (85.).

Schon bevor Leonard Krantz den Ball einschiebt, hebt Schiedsrichter-Assistent Jens Kreißl die Fahne.

VFC dreht die Partie

Letztlich war es das gut aufgelegte Plauener Publikum, das noch einmal jubeln durfte. Benjamin St. Louis ließ an der Seitenlinie sein Gegenüber elegant aussteigen, legte quer auf den eingelaufenen Martynets – das 2:1 kurz vor Schluss.

Ein Trend beim VFC: Fast die Hälfte aller erzielten Tore (6 von 13) in dieser Spielzeit fielen in den letzten 15 Minuten. Die Plauener Mannschaft brachte diesen Sieg der Moral mit viel Leidenschaft über die Zeit, wenngleich sie beim Freistoßversuch beim Spezialisten Zech (90.+3) noch einmal zittern musste.

Mit dem Schwung aus dem Pokalsieg geht es für den VFC gleich am nächsten Samstag im heimischen Vogtlandstadion weiter. Gegner in der Liga ist dann die SG Union Sandersdorf, Anstoß ist um 14 Uhr.

Die Stimmen zum Spiel

VFC-Coach Sven Köhler: „Ich bin froh, dass wir ein Spiel auch mal gedreht haben. Das tut den Jungs gut und ist in der Summe verdient.

Zu einem möglichen Wunschlos: „Ich bin ja darauf angewiesen, was in der nächsten Runde gelost wird. Ich habe gesehen, dass IFA Chemnitz morgen gegen Niesky spielt, das ist sehr nah an meinem Wohnort. (lacht) Dann könnte ich mal mit dem Fahrrad zum Spiel kommen.“

Fußballlehrer: Sven Köhler.

Budissa-Trainer Steve Dieske: „Wir haben ein sehr intensives Fußballspiel gesehen, für den neutralen Zuschauer ging es heute hoch und runter. Es waren zwei naive Momente, die uns heute hier ein Weiterkommen gekostet haben. Nichtsdestotrotz glaube ich trotzdem, dass der Sieg absolut in Ordnung geht, wenn man beide Halbzeiten sieht.“

Die Daten zum Spiel

VFC: Schulze – Plank (90.+4 Glaser), Träger, Kunstmann, Limmer, Ganime, Beal, Hussain (69. Krantz), Martynets, Kämpfer (89. Lemba), Graham (69. St. Louis)
Tore: 0:1 Hot (61.), 1:1 Martynets (79.), 2:1 Martynets (86.)
SR: Jonas Ebert (Pirna)
Zuschauer: 421